DINI-nestor-WS1

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1. DINI/nestor-Workshop "Institutionelle Forschungsdaten-Policies und strategische Planung des Forschungsdatenmanagements"
Erwin Schrödinger-Zentrum, Computer- und Medienservice der Humboldt-Universität zu Berlin (Berlin-Adlershof) am 2. Oktober 2014 von 10:30 - 16.30 Uhr

Inhaltsverzeichnis

Ankündigung

Forschungsdaten-Policies dienen der Positionierung einer Forschungseinrichtung und bieten ihren MitarbeiterInnen Orientierung für den adäquaten Umgang mit Forschungsdaten. Sie bilden den Ausgangspunkt für die Entwicklung und den Ausbau von Infrastrukturen und Services, die die Forschenden beim Management von Forschungsdaten unterstützen. Ausgehend von nationalen und internationalen Empfehlungen und Vorgaben für den Umgang mit Forschungsdaten werden derzeit in vielen deutschen wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen und Universitäten entsprechende Grundsätze erarbeitet. Nach der Universität Bielefeld haben im Juli 2014 die Humboldt-Universität zu Berlin und die Georg-August-Universität Göttingen Forschungsdaten-Policies verabschiedet. Diese Ereignisse unterstreichen die Aktualität des Themas.

Mit dem 1. DINI/nestor-Workshop sollen diese aktuellen Entwicklungen aufgegriffen werden. Die Ziele sind die Schwerpunkte der vorhandenen bzw. geplanten Policies einzelner Einrichtungen zu charakterisieren, den Austausch zu den Auswirkungen auf das Informationsmanagement an den einzelnen Einrichtungen zu unterstützen und Konzepte und Modelle zur Umsetzung eines Forschungsdatenmanagements vor dem Hintergrund einer institutionellen Policy zu diskutieren.

Die Zielgruppen für den Workshop sind Institutionen, die sich noch in der Planungsphase einer Policy befinden ebenso wie Institutionen, die vor praktischen Herausforderungen der Umsetzung einer institutionellen Policy stehen.

Exemplarische Fragen, die beim Workshop bearbeitet werden können:

  • Handelt es sich bei den (geplanten) Policies um eine reine institutionelle Positionierung zum Umgang mit Forschungsdaten oder sind auch konkrete Handlungsempfehlungen enthalten?
  • Welche Rolle spielen Open Access und Open Science in den (geplanten) Policies?
  • Welche Implikationen haben die (geplanten) Policies für den Aufbau einer adäquaten Informationsinfrastruktur an der Einrichtung?
  • Welche technischen Services sind vorgesehen oder vorhanden (Forschungsdaten-Repositories, Integration in Forschungsinformationssysteme, Datensicherung etc.)?
  • Welche personellen Ressourcen werden für welchen Einsatz geplant?
  • Welche organisatorischen Modelle sind geplant (interne/externe Kooperationen, beteiligte Einrichtungen, Verantwortungsstrukturen)?
  • Welche Support-Angebote sind geplant/verfügbar (Unterstützung bei der Anfertigung von Datenmangement-Plänen, Schulungen)?
  • Welche Maßnahmen werden getroffen, um das Bewusstsein (Awareness) für die Policy und das Forschungsdatenmanagement zu erreichen?
  • (Wie) werden die Angebote in in die Lehre integriert?
  • Welche Beratungsangebote in rechtlicher Hinsicht sind einbegriffen?

Programm

Stand: 26. September 2014, Änderungen vorbehalten.

Donnerstag, den 2. Oktober 2014

09:30 - 10:30 Registrierung

10:30 - 10:45 Begrüßung

10:45 - 12:30 Block I: Institutionsübergreifende und fachliche Perspektive
"e-Infrastructures Austria" – Ein gesamtösterreichischer Ansatz zum Thema Forschungsdaten - Barbara Sánchez Solís, Universität Wien
bwFDM‐Communities – Forschungsdatenmanagement in Baden-Württemberg - Frank Tristram, Karlsruher Institut für Technologie
Forschungsdateninfrastrukturen am Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ ‐ Policies und Dienstleistungen - Roland Bertelmann, Kirsten Elger, Heinz Pampel, Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ
Die Bouchout-Erklärung für Offene Biodiversitätsdaten - Gregor Hagedorn, Museum für Naturkunde Berlin
Das beweissichere elektronische Laborbuch (BeLab) in der PTB - Tobias Duden, Siegfried Hackel, Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)

12:30 - 13:15 Mittagspause

13:15 - 14:30 Block II: Institutionelle Perspektive
Institutionelle Strukturen für das Management von Forschungsdaten: Die Research Data Policy der Universität Heidelberg und ihre Umsetzung - Jochen Apel, Universität Heidelberg
Forschungsdatenbefragung – WWU Münster - Dominik Rudolph, Raimund Vogl, Sebastian Herwig, Westfälische Wilhelms-Universität (WWU) Münster
In Kooperation zum Konzept: Forschungsdatenmanagement an der HHU - Friedhelm Sowa, Peter Schreiber, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Ein generischer Policy-Baukasten für die einheitliche, dynamische Entwickung fachspezifischer Standards - Thilo Paul-Stüve, Sören Lorenz, Dirk Fleischer, Andreas Czerniak, Stefan Farrenkopf, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

14:30 - 15:00 Gemeinsamkeiten und Unterschiede verschiedener Policies und Diskussion - Ania López, Universität Duisburg-Essen

15:00 - 15:30 Kaffeepause

15:30 - 16:30 Abschlussdiskussion und Formalia der DINI/nestor-AG

Formalia der DINI/nestor-AG

  • Kommunikationskanal Mailverteiler
  • Interessierte an der Mitarbeit
  • Sprecherschaft der DINI/nestor-AG:
  • Vorschläge für die Sprecherschaft und deren Stellvertretung sind die drei InitiatorInnen der DINI/nestor-AG: Prof. Dr. Peter Schirmbacher (Humboldt-Universität zu Berlin), Jens Ludwig (Georg-August-Universität Göttingen), Dr. Janna Neumann (Technische Informationsbibliothek Hannover)

Abstracts und Präsentationsfolien

"e-Infrastructures Austria" – Ein gesamtösterreichischer Ansatz zum Thema Forschungsdaten
Barbara Sánchez Solís, Universität Wien
Präsentationsfolien

In Österreich wurde Anfang 2014 das Projekt »e-Infrastructures Austria« gestartet, das den koordinierten Aufbau und die Weiterentwicklung von nationalen Repositorieninfrastrukturen für digitale Ressourcen aus Forschung und Lehre zum Ziel hat. Ein zentrales Anliegen ist es, Forschungsgemeinschaften, Bibliotheken und IT-Services von allen nationalen universitären und außeruniversitären wissenschaftlichen Einrichtungen einzubeziehen und gemeinsam Wissen für den Aufbau von lokalen Repositorien zu erarbeiten, vorhandenes Know-how und Ressourcen zu bündeln und den Institutionen zur Verfügung zu stellen. Innerhalb des dreijährigen Projektzeitraums richten alle Partnerinstitutionen einen lokalen Dokumentenserver ein bzw. optimieren Serviceangebote bereits bestehender Dokumentenserver. Parallel dazu widmet sich »e-Infrastructures Austria« der Forschungsdatenproblematik und sucht nach einer Annäherung auf nationaler Ebene. Das Projekt umfasst zu Beginn 25 gleichberechtigte Partnerinstitutionen und wird in drei parallel zueinander laufenden Teilprojekten abgewickelt. Im Rahmen des Projekts wird durch eine Befragung der Wissenschafterinnen und Wissenschafter der Status Quo zum Umgang mit Forschungsdaten an österreichischen Universitäten sowie extrauniversitären Forschungseinrichtungen erhoben, um bereits bestehende Initiativen sowie Desiderata unserer Wissenschafter/innen gemäß den unterschiedlichen fachspezifischen Arbeitsprozessen und Publikationskulturen zu ermitteln. Die Ergebnisse der Befragung dienen als Anforderungen an zukünftige Forschungsdaten-Services österreichischer Universitäten/ Universitätsbibliotheken und Service-Provider anderer Forschungseinrichtungen. Weiters sollen mögliche Incentives-Modelle für ein optimales Archivierungsmanagement und eine freie Zurverfügungstellung von Daten aus Forschungsprozessen eruiert werden.


bwFDM‐Communities – Forschungsdatenmanagement in Baden-Württemberg
Frank Tristram, Karlsruher Institut für Technologie
Präsentationsfolien

Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (MWK) beginnt derzeit in Baden-Württemberg mit der Umsetzung eines Zukunftskonzepts für die Wissenschaften (E-Science-Strategie). Nachnutzbarkeit von Daten, OpenAccess, das Publikationswesen, datenintensive Wissenschaften und die Forschungsumgebungsstandards stehen im Fokus der Bestrebungen. Um die Strategie zu konkretisieren, spricht das Projekt bwFDM-Communities alle Wissenschaftsgruppen in Baden-Württemberg persönlich an, um deren aktuelle Prioritäten, Probleme und Lösungen im Forschungsdatenbereich zu erfassen und bringt seine Erkenntnisse auf allen beteiligten Ebenen in den Gestaltungsprozess der E-Science-Strategie mit ein. Der Beitrag fasst die aktuellen Bestrebungen in und um das Projekt bwFDM-Communities mit besonderem Blick auf landesweite Rahmenbedingungen und die Entstehung einer KIT-Datenmanagement-Policy zusammen.


Forschungsdateninfrastrukturen am Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ ‐ Policies und Dienstleistungen
Roland Bertelmann, Kirsten Elger, Heinz Pampel, Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ
Präsentationsfolien

Als nationales Forschungszentrum für die Geowissenschaften beschäftigt sich das Helmholtz-Zentrum Potsdam Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ mit dem System Erde. Die Forschenden am GFZ leisten im Dialog mit benachbarten Disziplinen in small data- und big data-Projekten einen zentralen Beitrag für ein nachhaltiges Erdsystem-Management. Dazu betreibt das GFZ mit seiner MESI - Modular Earth Science Infrastructure eine umfassende Infrastruktur aus Instrumenten (u. a. Satelliten, Instrumenten und Observatorien) und zugehörigen Forschungsdateninfrastrukturen (u. a. Datenbanken und Repositorien). Das Management der entstehenden Forschungsdaten wird kooperativ durch Wissenschaft und Infrastruktur betrieben. Je nach Projekt gibt es unterschiedlichen Anforderungen an die rechtlichen, technologischen und organisatorischen Verfahren des Umgangs mit den digitalen Forschungsdaten. Über Basisdienste rund um die dauerhafte Speicherung der Forschungsdaten hinaus wird die Zugänglichkeit und Publikation der Forschungsdaten durch die Abteilung Bibliothek und Informationsdienste (LIS) vorangetrieben. Die Forschungsdateninfrastrukturen am GFZ und die damit verbundenen Dienstleistungen werden durch diverse Data-Policies geprägt. Dabei wirken z. B. Anforderungen der Forschungsförderung und von wissenschaftlichen Journals auf die Aktivitäten des Forschungsdatenmanagements. Der Beitrag beschreibt die, auf vielfältigen Policies aufbauenden Aktivitäten des Forschungsdatenmanagements und gibt einen Überblick über die Herausforderungen bei der strategischen Entwicklung von institutionellen Policies und Dienstleistungen.


Die Bouchout-Erklärung für Offene Biodiversitätsdaten
Gregor Hagedorn, Museum für Naturkunde Berlin
Präsentationsfolien

Die Zukunft des wissenschaftlichen Wissensmanagements ist nicht der institutionelle Datenbank-Silo, sondern global verteiltes und vernetztes Wissen. Technische, rechtliche, aber auch soziale Hindernisse stehen dem teilweise im Wege. Die Hintergründe, Diskussionen, Ziele, und Erfolge der Bouchout-Erklärung werden vorgestellt. Die Umsetzung in lokale Richtlinien für Daten, Texte und Medien am Museum für Naturkunde ist nicht unproblematisch und soll gemeinsam diskutiert werden.


Das beweissichere elektronische Laborbuch (BeLab) in der PTB
Tobias Duden, Siegfried Hackel, Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)
Präsentationsfolien

Das beweissichere elektronische Laborbuch der PTB ist ein funktionaler Softwareverbund, der auf mehreren Ebenen realisiert wird: Aus dem DFG-Projekt „BeLab“ geforderte Funktionen zur Sicherstellung einer beweissicheren Langzeitspeicherung werden mit verschiedenen, interagierenden Softwareinstanzen kombiniert. Diese umfassen ein elektronisches Laborbuch (eLab), eine beweissichernde Middleware zur Langzeitspeicherung sowie ein physisches Speichersystem. Das elektronische Laborbuch und die beweissichernde Middleware werden, ergänzend zu den in der Middleware verwendeten Standards ArchiSafe und ArchiSig, um spezifische Funktionen gemäß des „BeLab“-Projekts erweitert. Bestehende Metadaten werden automatisch ergänzt, so dass über diese eine umfassende Suchfunktion gewährleistet ist. Vervollständigt wird das Konzept um eine in der Entwicklung befindliche Policy zur Langzeitspeicherung von elektronischen Daten, die die Parameter der verwendeten BeLab-Funktionen beinhaltet und darüber hinaus behördenweite Regelungen im Umgang mit Daten für die Langzeitspeicherung manifestiert. Hierdurch wird insgesamt die beweissichere Langzeitspeicherfähigkeit der Daten gesichert.


Institutionelle Strukturen für das Management von Forschungsdaten: Die Research Data Policy der Universität Heidelberg und ihre Umsetzung
Jochen Apel, Universität Heidelberg
Präsentationsfolien

Im Juli 2014 hat die Universität Heidelberg im Rahmen einer Research Data Policy allgemeine Richtlinien zum Forschungsdatenmanagement verabschiedet. Zeitgleich nahm nach einer mehrmonatigen Planungs- und Vorbereitungsphase das Kompetenzzentrum Forschungsdaten der Universität offiziell die Arbeit auf. Das Kompetenzzentrum ist eine gemeinsame Serviceeinrichtung des Rechenzentrums und der Universitätsbibliothek, die zentrale Dienste und Beratungsangebote zum Management von Forschungsdaten anbietet. Unter anderem betreibt das Kompetenzzentrum das institutionelle For-schungsdatenrepositorium HeiDATA. Im Vortrag soll die Heidelberger Research Data Policy vorgestellt werden und aufgezeigt werden, wie das Kompetenzzentrum zu ihrer Umsetzung beiträgt. Dabei werden die folgenden Punkte diskutiert:

  • Wie wird Forschungsdatenmanagement durch die Research Data Policy institutionell verankert? Welche Anforderungen an Forschungsprojekte werden formuliert, auf welche Unter-stützungsangebote verpflichtet sich die Universität, wie wird das Thema Datenveröffentlichung gehandhabt?
  • Welche Angebote bietet das Kompetenzzentrum Forschungsdaten bisher und wie sind die Erfahrungen aus den ersten Projekten? Wie sind die Heidelberger Angebote in übergeordnete Strukturen und Aktivitäten eingebettet?


Forschungsdatenbefragung – WWU Münster
Dominik Rudolph, Raimund Vogl, Sebastian Herwig, Westfälische Wilhelms-Universität (WWU) Münster
Präsentationsfolien

Das Thema Forschungsdaten  gewinnt derzeit zunehmend an Bedeutung innerhalb der Scientific Community. Zum Nachweis der Reproduzierbarkeit der Ergebnisse, aber auch zur Weiternutzung der Daten für neue Fragestellungen durch andere Wissenschaftler im Sinne eines Open Data-Ansatzes werden zunehmend von Seiten der Mittelgeber  Vorgaben zum Umgang mit Forschungsdaten gemacht, etwa zur Aufbewahrungsdauer und Zugänglichmachung. Verschiedene Hochschulen haben bereits Forschungsdaten-Richtlinien erarbeitet oder sind derzeit dabei. Bislang liegen allerdings erst vereinzelt empirische Ergebnisse zu der Frage vor, wie der Umgang mit Forschungsprimärdaten in der Praxis gehandhabt wird und welche Probleme adressiert werden müssten. An der Universität Münster wurde deshalb im Sommer 2014 eine Erhebung unter den Forschenden der verschiedenen Disziplinen mit 667 beendeten Fragebögen durchgeführt. Die Studie gewährt Einblicke in die Forschungspraxis der jeweiligen Fachbereiche, z.B. in die Datengewinnung (Erhebungsmethoden und Datenquellen), die Qualität der Daten (Formate und Volumina), Verantwortlichkeiten und die Archivierung (Aufbewahrungszweck und –Dauer, Speicherorte und Sicherheitskopien). Die Studie gibt außerdem Aufschluss über das Vorhandensein und die Praxisrelevanz von fachbereichsspezifischen Richtlinien und Vorgaben der Drittmittelgeber. Weitere Themenfelder sind der Wissensstand und die Beratungsbedarfe der Wissenschaftler zum Themenkomplex Forschungsdaten sowie die Nutzungsbereitschaft eines hochschuleigenen Forschungsdatenarchivs. Die Studie identifiziert darüber hinaus Differenzen zwischen den jeweiligen Fachdisziplinen sowie zwischen Professorenschaft und akademischem Mittelbau. Die Ergebnisse der Umfrage sollen die Grundlagen bilden für die Erarbeitung von Forschungsdatenrichtlinien an der WWU und für Projekte zur Bereitstellung der Infrastruktur und von Informationssystemslösungen zum Forschungsdatenmanagement.


In Kooperation zum Konzept: Forschungsdatenmanagement an der HHU
Friedhelm Sowa, Peter Schreiber, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Präsentationsfolien

Es ist erklärte Zielsetzung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU), die Forschungsgruppen bei der Speicherung wissenschaftlicher Daten aus Messungen, Computersimulationen oder anderen wissenschaftlichen Quellen zu unterstützen. Damit werden gesetzliche Verpflichtungen und Auflagen der Forschungsförderer umgesetzt. Im Hochschulentwicklungsplan der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf wird der Aufbau einer leistungsfähigen Langzeitarchivierungsinfrastruktur zur sicheren Aufbewahrung von Primärdaten aus der Forschung als strategisches Entwicklungsziel zur Unterstützung der Forschung definiert. Die HHU kooperiert auf dem Gebiet der digitalen Langzeitarchivierung mit der Universität Siegen und der Bergischen Universität Wuppertal. Im Rahmen dieser Kooperation stellt das Forschungsdatenmanagement einen Teilaspekt dar, der von der Archivierung administrativer Daten in Verwaltung und Instituten sowie wissenschaftlichen Publikationen abzugrenzen ist. Die Kooperationspartner konzentrieren sich in der Projektphase zu ausgewählten Schwerpunkten auf die Installation und Anwendung prototypischer Lösungen, die nach Projektabschluss in den Regelbetrieb übergeführt werden sollen. Angestrebt wird die Einrichtung eines Kompetenzzentrums zur Beratung und Unterstützung (Verfahrensauswahl, Organisation der Datenstruktur, Metadatenstruktur) sowohl der Administration als auch der Forschung und Lehre. Forschungsdatenmanagement wird an der HHU unter dem Aspekt der Erfordernisse von Open Access gesehen; die Evaluation von Repositories sowie die Auswahl der Methoden zur Speicherung der Archivdaten erfolgt unter Berücksichtigung dieser Erfordernisse. Die jüngsten Erfahrungen der HHU haben deutlich gemacht, dass eine strikte Policy im Umgang mit Forschungsdaten sowie im Hinblick auf langfristige Verfügbarkeit, Transparenz und Nachvollziehbarkeit unerlässlich ist.


Ein generischer Policy-Baukasten für die einheitliche, dynamische Entwickung fachspezifischer Standards
Thilo Paul-Stüve, Sören Lorenz, Dirk Fleischer, Andreas Czerniak, Stefan Farrenkopf, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
Präsentationsfolien

Für den Forschungsstandort Kiel wird an der Christian Albrechts-Universität zu Kiel und am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel ein einheitliches Modell zum Umgang mit Forschungsdaten entwickelt. Das Ziel ist, dass alle Disziplinen am Forschungsstandort mit ihren jeweils unterschiedlichen Anforderungen einen Baukasten nutzen können, der den Instituten, Arbeitsgruppen und Projekten Bausteine und Elemente zur Erstellung einheitlicher Regelungen zum Umgang mit Forschungsdaten zur Verfügung stellt. Die Basis ist der seit 2010 am GEOMAR zusammen mit dem Exzellenzcluster Future Ocean entwickelte und bereitgestellte Data-Policy-Baukasten für die Kiel Marine Science. Um die Erstellung von spezifischen Standards zum Umgang mit Forschungsdaten durch die Forschenden selbst zu ermöglichen, soll der Baukasten aus den Disziplinen heraus dynamisch um notwendige, fachspezifische Komponenten erweitert werden können. Eine Versionierung der Baukastenelemente und der Regelwerke soll dabei für eine nachhaltige Nutzungbarkeit und Nachvollziehbarkeit der erhobenen Forschungsdaten sorgen und gleichzeitig der Dynamik der sich rasch entwickelnden Forschungsbereiche genüge tun. Perspektivisch soll so ein Rahmenwerk für Datenmanagement als – ggf. auch automatisierter – Service entstehen. Ein zentrales Gremium von Forschungsdatenmanagern aus den Disziplinen soll die Pflege des Baukastens und der daraus entwickelten Standards im Hinblick auf ihre Qualität begleiten.


Gemeinsamkeiten und Unterschiede verschiedener Policies und Diskussion
Ania López, Universität Duisburg-Essen
Präsentationsfolien
Bei genauer Betrachtung sind spezielle Policies zum Umgang mit Forschungsdaten unterschiedlich in Hinblick auf ihre Schwerpunkte und auf die institutionelle Struktur, die sich dahinter verbirgt. Außerdem sind meist verschiedene Akteure beteiligt, die für die Umsetzung der Policies als Ansprechpartner fungieren.

In diesem Kurzvortrag sollen u.a. die vorgestellten Policies in ihren Unterschieden und Gemeinsamkeiten gegenübergestellt werden. Dabei soll der Fokus auf den folgenden Themen liegen: inhaltliche Kernaussage der jeweiligen Policy, Beziehung zum Thema Open Access, Verbindlichkeit für die Forschenden, praktische Anwendbarkeit, beteiligte Infrastruktur der jeweiligen Universität.

Darauf aufbauend soll der Vortrag Diskussionsgrundlage liefern, ob aus den vier vorgestellten Richtlinien allgemeine Kernaussagen herauskristallisiert werden können, die exemplarisch als Basis für Institutionen dienen können, die eigene Policies planen.

Protokoll

Autorinnen: Maxi Kindling, Janna Neumann, Jessika Rücknagel, Stephanie van de Sandt

Am 2. Oktober 2014 fand der 1. Workshop der DINI/nestor-AG Forschungsdaten an der Humboldt-Universität zu Berlin (Campus Adlershof) statt. Ziel des Workshops war die Auseinandersetzung mit institutionellen Forschungsdaten-Policies und der damit zusammenhängenden strategischen Planung des Forschungsdatenmanagements (FDM). Der Workshop war inhaltlich in zwei Blöcke unterteilt. Im ersten Block am Vormittag wurden in vier Vorträgen institutionsübergreifende und fachspezifische Ansätze von Forschungsdaten-Policies aufgegriffen. Paolo Budroni und Barbara Sánchez Solis von der Universität Wien berichteten vom gesamtösterreichischen Ansatz „e-Infrastructures Austria“. Anschließend stellte Frank Tristam das baden-württembergische Projekt “bwFDM-Communities” vor, ein Projekt zur Evaluierung der FDM-Aktivitäten in Baden-Württemberg. Roland Bertelmann von der Bibliothek des Deutschen GeoForschungsZentrums Potsdam (GFZ) stellte die Forschungsdateninfrastrukturen sowie Dienstleistungen des GFZ für die geowissenschaftliche Communities in den Zusammenhang mit verschiedenen für die Forschenden relevanten Policy-Ansätze vor. Gregor Hagedorn vom Berliner Museum für Naturkunde erläuterte die Bouchout-Erklärung für offene Biodiversitätsdaten und die damit verbundenen rechtlichen Herausforderungen. Siegfried Hackel von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig (PTB) gab anschließend eine Kurzeinführung in das DFG-Projekt “BeLab – das beweissichere elektronische Laborbuch”.

Am Nachmittag wurde in einem zweiten Block die institutionelle Perspektive auf Forschungsdaten-Policies thematisiert. Jochen Apel stellte die Heidelberger Research Data Policy und die Ansätze zu deren Umsetzung vor. Weiterhin berichtete Sebastian Herwig über die Ergebnisse einer an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster durchgeführten Befragung unter Forschenden zum Umgang mit Forschungsdaten. Peter Schreiber berichtete vom Kooperationskonzept der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf mit der Universität Wuppertal und der Universität Siegen zur digitalen Langzeitarchivierung (LZA). Zum Abschluss erläuterte Thilo Paul-Stüve den vom GEOMAR erstellten Policy-Baukasten und die Möglichkeit der fachspezifischen Erweiterungen für die Entwicklung von Standards. Zur Einführung in die Abschlussdiskussion zeigte Ania López Gemeinsamkeiten und Unterschiede von bereits existierenden institutionellen Forschungsdaten-Policies auf. Dabei konzentrierte sie sich auf die Aspekte „Definition von Forschungsdaten“, „beteiligte Infrastrukturen“, „Verbindlichkeit und praktische Anwendbarkeit von Policies“ sowie „Open Access“.

Sowohl die Diskussionen im Anschluss an die Vorträge, als auch die Abschlussdiskussion zeigten ein Spannungsfeld in Deutschland deutlich auf: Es handelt sich dabei um die Frage, inwieweit einerseits die im Grundgesetz verankerte Wissenschaftsfreiheit auch im Umgang mit Forschungsdaten und insbesondere hinsichtlich ihrer Veröffentlichung greift, und andererseits in welchem Umfang Hochschulen und Forschungseinrichtungen verbindliche Vorgaben beispielsweise zur Open-Access-Veröffentlichung von Forschungsdaten machen können. Es scheint als müsste diese sehr juristische Diskussion noch deutlich differenzierter betrachtet werden. Die DINI/nestor-AG könnte hierzu gemeinsam mit der Allianz-AG Forschungsdaten Anschlussveranstaltungen planen, um diesbezüglich mögliche Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Es ist ebenfalls zu klären, über welche Verbindlichkeit Policies tatsächlich verfügen können, vor allem vor dem Hintergrund, dass für die einzelnen Forschenden verschiedene Policies relevant sein können: So etwa die der eigenen Einrichtung, Standards innerhalb einer Fachgemeinschaft und Policies von Verlagen oder Forschungsförderern. In diesem Zusammenhang muss auch auf die Vielschichtigkeit des Policy-Begriffes hingewiesen werden, der sowohl Empfehlungen als auch Leit- und Richtlinien von Organisationen oder Communities beschreiben kann. In Bezug auf die Frage, welche inhaltlichen Kategorien „Policies“ beinhalten können, kann besonders auf den Vortrag von der Universität Kiel verwiesen werden, in dem modulartige „Bausteine“ für Policies thematisiert werden.

Neben der institutionellen Perspektive wurde sehr häufig betont, dass ein kultureller Wandel in der Wissenschaft hinsichtlich des Umgangs mit Forschungsdaten unterstützt werden sollte. Da es nicht nur um die Erfüllung von politischen Vorgaben gehen kann (Verpflichtungen aber durchaus als hilfreich, wenn auch problematisch anerkannt werden), müssen neben Policies auch Anreize geschaffen und aufgezeigt werden, Forschungsdaten zu publizieren bzw. offen zu legen und einer adäquaten Langzeitarchivierung zuzuführen. In der Diskussion wurden zudem Beispiele angeführt, nach denen einige Forschende bislang keinerlei Berührung mit dem Thema Forschungsdatenmanagement hatten und daher erst darauf hingewiesen werden mussten “dass sie ggf. ein Problem haben”.

Die Sensibilisierung für vorhandene Services und Strategien zur Verbesserung ihrer Forschungsdatenmanagement-Strategien sowie das Aufzeigen der Vorteile einer Datenpublikation und des „data sharing“ und der damit geschaffenen Möglichkeit, wissenschaftliche Reputation zu erlangen, können den kulturellen Wandel im Umgang mit Forschungsdaten in ersten kleinen Schritten anstoßen. Darüber hinaus ist die Vermittlung von von relevanten Kenntnissen bezüglich des FDM in der Hochschullehre von großer Bedeutung, um die Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler frühestmöglich für die Thematik zu sensibilisieren und auf spezifische Angebote aufmerksam zu machen. Bislang sind kaum konkrete Angebote bzw. Materialien bekannt, die einen entsprechenden (fachspezifischen) Einstieg ermöglichen. An dieser Stelle wird ein Ansatzpunkt für die DINI/nestor-AG gesehen, derartige Angebote zu dokumentieren.

Formalia der AG

Abschließend wurden die TeilnehmerInnen über den Mailverteiler der DINI/nestor-AG ag-forschungsdaten(at)dini.de informiert. Für die Aufnahme in den Mailverteiler werden InteressentInnen darum gebeten sich an Frau Maxi Kindling (maxi.kindling@hu-berlin.de) zu wenden. Das initierende Team der DINI/nestor-AG schlug vor, Peter Schirmbacher (HU Berlin), Jens Ludwig (SUB Göttingen) und Janna Neumann (TIB Hannover) zu den SprecherInnen der AG zu machen. Dieser Vorschlag wurde einstimmig angenommen. Das Sprecheramt wird zunächst für zwei Jahre übernommen.

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