Digitale Souveränität: Unterschied zwischen den Versionen
KKeine Bearbeitungszusammenfassung |
|||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
Digitale Souveränität im Forschungsdatenmanagement beschreibt die Fähigkeit wissenschaftlicher Einrichtungen, ihre Forschungsdaten, technischen Systeme und digitalen Werkzeuge selbstbestimmt zu nutzen und weiterzuentwickeln. | Digitale Souveränität im Forschungsdatenmanagement beschreibt die Fähigkeit wissenschaftlicher Einrichtungen, ihre Forschungsdaten, technischen Systeme und digitalen Werkzeuge selbstbestimmt zu nutzen und weiterzuentwickeln. | ||
Entscheidend ist, dass Forschungsprozesse nicht durch externe, kaum beeinflussbare technische oder organisatorische Abhängigkeiten eingeschränkt werden, sondern dass Einrichtungen handlungsfähig bleiben und ihre digitalen Ressourcen souverän gestalten können. | Entscheidend ist dabei, dass Forschungsprozesse nicht durch externe, kaum beeinflussbare technische oder organisatorische Abhängigkeiten eingeschränkt werden, sondern dass Einrichtungen handlungsfähig bleiben und ihre digitalen Ressourcen souverän gestalten können. | ||
== Selbstbestimmung über Forschungsdaten == | == Selbstbestimmung über Forschungsdaten == | ||
Wissenschaftliche Einrichtungen behalten die Kontrolle über ihre Forschungsdaten und deren | Wissenschaftliche Einrichtungen behalten die Kontrolle über ihre Forschungsdaten und deren Lebenszyklus, d.h. von der Erhebung über die Verarbeitung bis zur Archivierung oder Löschung. Die Einrichtungen entscheiden selbst, wie die Forschungsdaten organisiert, dokumentiert, geteilt und langfristig gesichert werden. | ||
== Unabhängigkeit von externen Abhängigkeiten == | == Unabhängigkeit von externen Abhängigkeiten == | ||
Digitale Souveränität setzt voraus, dass zentrale FDM‑Prozesse nicht von schwer kontrollierbaren externen Dienstleistern oder proprietären Systemen bestimmt werden. Einrichtungen sollen vermeiden, dass technische Lock‑ins, geschlossene Standards oder unklare Geschäftsmodelle ihre Forschungsfreiheit einschränken. | Digitale Souveränität setzt voraus, dass zentrale FDM‑Prozesse nicht von schwer kontrollierbaren externen Dienstleistern oder proprietären Systemen bestimmt werden. Einrichtungen sollen somit auch vermeiden, dass technische Lock‑ins, geschlossene Standards oder unklare Geschäftsmodelle ihre Forschungsfreiheit einschränken. | ||
=== Bedeutung für digitale Infrastrukturen === | === Bedeutung für digitale Infrastrukturen === | ||
Digitale Souveränität heißt im Kontext von Google und anderen Big‑Tech‑Konzernen, dass | Digitale Souveränität heißt im Kontext von Google und anderen Big‑Tech‑Konzernen, dass Institutionen kritische digitale Infrastrukturen nicht vollständig von wenigen globalen Anbietern abhängig machen. Dazu gehören Cloud‑Dienste, Kollaborationsplattformen, Suchtechnologien und Analysewerkzeuge, die häufig proprietär sind. | ||
Dazu gehören Cloud‑Dienste, Kollaborationsplattformen, Suchtechnologien und Analysewerkzeuge, die häufig proprietär | |||
=== Kontrolle über Forschungsdaten === | === Kontrolle über Forschungsdaten === | ||
| Zeile 20: | Zeile 18: | ||
* technischen Standards und Schnittstellen | * technischen Standards und Schnittstellen | ||
* Geschäftsmodellen und Nutzungsbedingungen | * Geschäftsmodellen und Nutzungsbedingungen | ||
=== Reduktion von Lock‑in‑Effekten === | === Reduktion von Lock‑in‑Effekten === | ||
| Zeile 32: | Zeile 28: | ||
* Abhängigkeiten wachsen mit jedem zusätzlichen Dienst | * Abhängigkeiten wachsen mit jedem zusätzlichen Dienst | ||
Digitale Souveränität setzt | Digitale Souveränität setzt auf offene Standards, Interoperabilität und exit‑strategiefähige Systeme. | ||
=== Rechtliche und geopolitische Rahmenbedingungen === | === Rechtliche und geopolitische Rahmenbedingungen === | ||
Big‑Tech‑Anbieter unterliegen oft nicht‑europäischen Rechtsräumen | Big‑Tech‑Anbieter unterliegen oft nicht‑europäischen Rechtsräumen: | ||
* Unsicherheiten bei Datenschutz und Compliance | * Unsicherheiten bei Datenschutz und Compliance | ||
| Zeile 43: | Zeile 37: | ||
* fehlende Transparenz über Datenflüsse | * fehlende Transparenz über Datenflüsse | ||
Digitale Souveränität bedeutet | Digitale Souveränität bedeutet deshalb auch immer rechtliche Risiken minimieren und Datenverarbeitung in kontrollierbaren, europäischen Rahmenbedingungen sicherstellen. | ||
== Offene Alternativen stärken == | |||
Abhängigkeiten reduzieren und folgendes tun: | |||
* offene Software und offene Standards | * offene Software und offene Standards nutzen | ||
* europäische | * europäische Cloud‑Lösungen stärken | ||
* hybride oder föderierte Infrastrukturen | * hybride oder föderierte Infrastrukturen aufbauen | ||
Version vom 22. Juni 2026, 17:21 Uhr
Digitale Souveränität im Forschungsdatenmanagement beschreibt die Fähigkeit wissenschaftlicher Einrichtungen, ihre Forschungsdaten, technischen Systeme und digitalen Werkzeuge selbstbestimmt zu nutzen und weiterzuentwickeln.
Entscheidend ist dabei, dass Forschungsprozesse nicht durch externe, kaum beeinflussbare technische oder organisatorische Abhängigkeiten eingeschränkt werden, sondern dass Einrichtungen handlungsfähig bleiben und ihre digitalen Ressourcen souverän gestalten können.
Selbstbestimmung über Forschungsdaten
Wissenschaftliche Einrichtungen behalten die Kontrolle über ihre Forschungsdaten und deren Lebenszyklus, d.h. von der Erhebung über die Verarbeitung bis zur Archivierung oder Löschung. Die Einrichtungen entscheiden selbst, wie die Forschungsdaten organisiert, dokumentiert, geteilt und langfristig gesichert werden.
Unabhängigkeit von externen Abhängigkeiten
Digitale Souveränität setzt voraus, dass zentrale FDM‑Prozesse nicht von schwer kontrollierbaren externen Dienstleistern oder proprietären Systemen bestimmt werden. Einrichtungen sollen somit auch vermeiden, dass technische Lock‑ins, geschlossene Standards oder unklare Geschäftsmodelle ihre Forschungsfreiheit einschränken.
Bedeutung für digitale Infrastrukturen
Digitale Souveränität heißt im Kontext von Google und anderen Big‑Tech‑Konzernen, dass Institutionen kritische digitale Infrastrukturen nicht vollständig von wenigen globalen Anbietern abhängig machen. Dazu gehören Cloud‑Dienste, Kollaborationsplattformen, Suchtechnologien und Analysewerkzeuge, die häufig proprietär sind.
Kontrolle über Forschungsdaten
Wenn Forschungsdaten in Big‑Tech‑Ökosystemen verarbeitet oder gespeichert werden, entstehen Abhängigkeiten hinsichtlich:
- Speicherort und Datenzugriff
- technischen Standards und Schnittstellen
- Geschäftsmodellen und Nutzungsbedingungen
Reduktion von Lock‑in‑Effekten
Viele Big‑Tech‑Dienste sind so gestaltet, dass ein Wechsel zu alternativen Lösungen technisch oder organisatorisch erschwert wird.
Für das Forschungsdatenmanagement bedeutet das:
- proprietäre Formate erschweren Datenmigration
- integrierte Ökosysteme binden Nutzer langfristig
- Abhängigkeiten wachsen mit jedem zusätzlichen Dienst
Digitale Souveränität setzt auf offene Standards, Interoperabilität und exit‑strategiefähige Systeme.
Rechtliche und geopolitische Rahmenbedingungen
Big‑Tech‑Anbieter unterliegen oft nicht‑europäischen Rechtsräumen:
- Unsicherheiten bei Datenschutz und Compliance
- mögliche Zugriffe durch ausländische Behörden
- fehlende Transparenz über Datenflüsse
Digitale Souveränität bedeutet deshalb auch immer rechtliche Risiken minimieren und Datenverarbeitung in kontrollierbaren, europäischen Rahmenbedingungen sicherstellen.
Offene Alternativen stärken
Abhängigkeiten reduzieren und folgendes tun:
- offene Software und offene Standards nutzen
- europäische Cloud‑Lösungen stärken
- hybride oder föderierte Infrastrukturen aufbauen