Digitale Souveränität

Aus Forschungsdaten.org
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Digitale Souveränität im Forschungsdatenmanagement beschreibt die Fähigkeit wissenschaftlicher Einrichtungen, ihre Forschungsdaten, technischen Systeme und digitalen Werkzeuge selbstbestimmt zu nutzen und weiterzuentwickeln.

Entscheidend ist, dass Forschungsprozesse nicht durch externe, kaum beeinflussbare technische oder organisatorische Abhängigkeiten eingeschränkt werden, sondern dass Einrichtungen handlungsfähig bleiben und ihre digitalen Ressourcen souverän gestalten können.

Selbstbestimmung über Forschungsdaten

Wissenschaftliche Einrichtungen behalten die Kontrolle über ihre Forschungsdaten und deren gesamten Lebenszyklus, von der Erhebung über die Verarbeitung bis zur Archivierung oder Löschung. Sie entscheiden selbst, wie Daten organisiert, dokumentiert, geteilt und langfristig gesichert werden.

Unabhängigkeit von externen Abhängigkeiten

Digitale Souveränität setzt voraus, dass zentrale FDM‑Prozesse nicht von schwer kontrollierbaren externen Dienstleistern oder proprietären Systemen bestimmt werden. Einrichtungen sollen vermeiden, dass technische Lock‑ins, geschlossene Standards oder unklare Geschäftsmodelle ihre Forschungsfreiheit einschränken.

1. Bedeutung für digitale Infrastrukturen

Digitale Souveränität heißt im Kontext von Google und anderen Big‑Tech‑Konzernen, dass wissenschaftliche Einrichtungen und öffentliche Institutionen kritische digitale Infrastrukturen nicht vollständig von wenigen globalen Anbietern abhängig machen.

Dazu gehören Cloud‑Dienste, Kollaborationsplattformen, Suchtechnologien und Analysewerkzeuge, die häufig proprietär und schwer ersetzbar sind.

2. Kontrolle über Forschungsdaten

Wenn Forschungsdaten in Big‑Tech‑Ökosystemen verarbeitet oder gespeichert werden, entstehen Abhängigkeiten hinsichtlich:

  • Speicherort und Datenzugriff
  • technischen Standards und Schnittstellen
  • Geschäftsmodellen und Nutzungsbedingungen

Digitale Souveränität bedeutet hier: Einrichtungen müssen jederzeit nachvollziehen und steuern können, wo ihre Daten liegen, wer darauf zugreifen kann und unter welchen Bedingungen.

3. Reduktion von Lock‑in‑Effekten

Viele Big‑Tech‑Dienste sind so gestaltet, dass ein Wechsel zu alternativen Lösungen technisch oder organisatorisch erschwert wird.

Für das Forschungsdatenmanagement bedeutet das:

  • proprietäre Formate erschweren Datenmigration
  • integrierte Ökosysteme binden Nutzer langfristig
  • Abhängigkeiten wachsen mit jedem zusätzlichen Dienst

Digitale Souveränität setzt daher auf offene Standards, Interoperabilität und exit‑strategiefähige Systeme.

4. Rechtliche und geopolitische Rahmenbedingungen

Big‑Tech‑Anbieter unterliegen oft nicht‑europäischen Rechtsräumen.

Für Forschungseinrichtungen kann das bedeuten:

  • Unsicherheiten bei Datenschutz und Compliance
  • mögliche Zugriffe durch ausländische Behörden
  • fehlende Transparenz über Datenflüsse

Digitale Souveränität bedeutet hier: rechtliche Risiken minimieren und Datenverarbeitung in kontrollierbaren, europäischen Rahmenbedingungen sicherstellen.

5. Strategische Handlungsfähigkeit

Digitale Souveränität verlangt, dass Einrichtungen technische und organisatorische Entscheidungen selbst treffen können, statt sie durch Plattformvorgaben diktiert zu bekommen.

Dazu gehört:

  • eigene Governance‑Strukturen
  • technische Kompetenz im Haus
  • Wahlfreiheit zwischen Anbietern und Lösungen

Ziel ist eine dauerhafte, nachhaltige Handlungsfähigkeit im Umgang mit digitalen Werkzeugen und Forschungsdaten.

6. Europäische und offene Alternativen stärken

Digitale Souveränität bedeutet nicht, Big Tech komplett zu vermeiden.

Es geht darum, Abhängigkeiten zu reduzieren, indem man:

  • offene Software und offene Standards nutzt
  • europäische Cloud‑ und FDM‑Lösungen stärkt
  • hybride oder föderierte Infrastrukturen aufbaut