Digitale Orte Niedersachsen, Forschungsdatenmanagement als Digitaler Ort Niedersachsen
Das Niedersächsische Wirtschaftsministerium rief 2019 die Auszeichnung „Digitale Orte Niedersachsen“ ins Leben. Bis Ende 2024 konnten sich Projekte, Initiativen und Einrichtungen bewerben, die den digitalen Wandel in der Region täglich vorantreiben und sich durch ihr besonderes Engagement für den Fortschritt verdient gemacht haben.
„In Niedersachsen ist die digitale Vielfalt grenzenlos. Es ist beeindruckend zu sehen, wie niedersächsische Unternehmen den digitalen Wandel international mitgestalten. Zahlreiche Firmen aus Niedersachsen sind internationale Spitze, wenn es um Automatisierung, Robotik, maschinelles Lernen oder andere wichtige Zukunftsthemen geht. Aber auch während Besuchen in Schulen, Betrieben, Forschungseinrichtungen und Institutionen habe ich den Eindruck gewonnen, dass es unendlich viele gute digitale Initiativen vor Ort gibt, die es verdienen, öffentlich stärker wahrgenommen zu werden. Mit der Auszeichnung ,Digitale Orte Niedersachsen‘ werden wir den Fokus auf diese Initiativen lenken.“[1] (Dr. Bernd Althusmann)
Die Idee hinter der Auszeichnung war es, digitale Orte sichtbar zu machen.
Link zur Landkarte „Digitale Orte Niedersachsen“: https://digitalagentur-niedersachsen.de/digitale-orte/
Forschungsdatenmanagement ist digitaler Ort
Als virtueller Dreh- und Angelpunkt der modernen Wissenschaft bezeichnet das Forschungsdatenmanagement (FDM) auch hier keinen realen Raum, wie beispielsweise eine Universitätsbibliothek, sondern ein systematisches, kooperatives Infrastrukturnetzwerk, das digitale Forschungsdaten durch ihren kompletten Lebenszyklus begleitet um sie dauerhaft zu sichern, zu strukturieren und bereitzustellen. Indem dieser digitale Ort Wissenschaftler, Datenbestände und Software-Tools zusammenführt, sichert er die Transparenz von Erkenntnissen und setzt die FAIR-Prinzipien praktisch um (FDM-One-Person-Stop oder FDM-Beratungsservice/s).
Die offiziellen „Digitalen Orte Niedersachsen“ im Bereich der Wissenschaft zeichnen sich durch wegweisende Forschung, modernes Datenmanagement und innovative Wissenstransfers aus. Zu den tragenden Säulen gehörten universitäre Einrichtungen wie die Universitätsbibliothek Hildesheim sowie der Beratungsservice Forschungsdaten und das Repositorium der Leibniz Universität Hannover, die sich intensiv der strukturierten Bereitstellung wissenschaftlicher Forschungsdaten widmen. In enger Verbindung dazu steht die IndiScale GmbH, welche mit ihrer Datenmanagement-Software LinkAhead diese Prozesse digital unterstützt. Für eine starke Vernetzung sorgt das Zentrum für digitale Innovationen Niedersachsen (ZDIN), das den Austausch zwischen Forschungslaboren und der Praxis vorantreibt.

Die angewandte Forschung und praxisnahe Entwicklung spiegeln sich in Institutionen wie dem Laser Zentrum Hannover (LZH), dem Institut für Datenbankorientiertes Konstruieren (IdoK) sowie dem Center for Digital GreenTech wider. Wie innovative Technologien in die Praxis fließen, zeigen das Care4Life Innovation LAB GmbH im Gesundheitssektor sowie die NOACK Laboratorien GmbH, die smarte Technologien im Laboralltag nutzen. Ergänzt wird dieses starke wissenschaftliche Netzwerk durch den Schiller40 Coworkingspace Wolfsburg sowie durch praxisorientierte Bildungsprojekte, vertreten durch das Roberta RegioZentrum und die roboterfabrik Hannover mit i-bots und LUHbots, welche gezielt den wissenschaftlichen und technischen Nachwuchs fördern.
"Das FDM kann als digitaler Ort verstanden werden, der Forschende bestmöglich unterstützen soll. Anfang März 2020 veröffentlichte die UB Hildesheim eine Leitlinie zum Umgang mit Forschungsdaten, die dem FDM zu Grunde liegt. Interessierte erhalten Zugang zu Informationen und Werkzeugen, damit das Datenmanagement gelingt."[2]
FDM als digitaler Ort (Pionierarbeit)
Der digitale FDM-Ort zeichnete sich (auch in 2022) durch moderne Beratungsservices und Coffee Lectures für die Universität (Beispiel: Universität Hildesheim) aus. Das ist harte Pionierarbeit (Stand 2026). Diese kurzen, informellen Impulsvorträge waren selbst als Teil des digitalen Ortes gemeint, weil sie oft sie als interaktives Einstiegstor dienen. Sie vermitteln Forschenden mitten im Alltag das nötige Werkzeugwissen für Forschungsdatenmanagement. Die Coffee Lectures holten die Wissenschaftler bei konkreten Problemen ab, z.B. von der automatisierten Dateibenennung bis zur Cloud-Kollaboration. Das Forschungsdatenmanagement (FDM) als „digitaler Ort“ darf nicht mit einer klassischen Universitätsbibliothek verwechselt werden. Die UB Hildesheim begleitete den Prozess „digitaler Ort“ in seiner administrativen und hierarchischen Funktion und nahm die Auszeichnung entgegen (administrative Repräsentanz vs. tatsächliche, operativen Pionierarbeit). Das FDM als „digitaler Ort“, also als das unsichtbare Fundament im Hintergrund der Forschung, entsteht durch tiefgehendes Fachwissen an der Schnittstelle von IT, Datenwissenschaften und Fachdisziplinen (FDM-Workflows und Beratungen/Unterstützung entlang des gesamten Datenlebenszyklus).
Literatur
Digitalagentur Niedersachsen: https://digitalagentur-niedersachsen.de/digitale-orte/ (Zugriff am 20.08.2026) https://hildesheim-digital.de/veranstaltung/forschungsdatenmanagement/
Strauch, Annette. "Forschungsdatenmanagement an der Stiftung Universität Hildesheim: Praktische Unterstützung für Forschende und Studierende durch die Universitätsbibliothek" Information - Wissenschaft & Praxis, vol. 70, no. 5-6, 2019, pp. 259-263. https://doi.org/10.1515/iwp-2019-2052
Strauch-Davey, A. (2022). Forscherinnen und Forscher: Helfen wir ihnen mit dem, was sie in unseren Wissenschaftlichen Bibliotheken benötigen: Portfolioentwicklung Wissenschaftlicher Bibliotheken durch Forschungsdatenmanagement / Ein Beitrag aus der Praxis. BuB: Forum Bibliothek und Information, 74(5), 262–265. https://www.b-u-b.de/fileadmin/archiv/imports/pdf_files/2022/bub_2022_05_0262_0265.pdf